Kommunikationsprofis brauchen berufsethische Nachhilfe

Yvonne Raudzus hat in ihrer Diplomarbeit zur PR-Beraterin ihren Berufskolleginnen und -kollegen auf den Zahn gefühlt. Ihre Studie zeigt, dass Kommunikationsprofis nur über dürftige Kenntnisse der berufsethischen Verkehrsregeln ihrer Branche verfügen. Weniger als die Hälfte der Befragten ist sattelfest mit dem Kodex von Lissabon und dem Athener Kodex.


Sie hat von Ende Mai bis Mitte Juni 2010 214 PR-Profis zum Thema Ethikkodizes befragt und dabei folgende Erkenntnisse gewonnen:

1. Das Thema PR-Berufsethikinteressiert.
Dies unterstreicht die hohe Rücklaufquote von 12 Prozent via Berufsverbände.

2. Die PR-Verkehrsregeln sind schwach bekannt und deklamatorisch
Weniger als die Hälfte der Befragten kennt die Kodizes gut. Allerdings bieten die berufsethischen Vorgaben kaum Antworten auf alltagsrelevante Fragen.

3. Kritisches Urteil für die PR-Branche.
Fast die Hälfte der Befragten (49.3 %) stuft das berufsethische Verhalten der Kollegen im Berufsstand als bloss «mittelmässig» ein.

4. PR-Ethik ist massgeblich von ökonomischen Faktoren abhängig.
Es zeigt sich, dass PR- Praktiker in einer Konfliktsituation zwar zuerst versuchen, die Interessen des Arbeitgebers und die Interessen der Öffentlichkeit auszugleichen, sich dann aber eher organisationsloyal als öffentlichkeitsloyal verhalten würden.

Die kompletten Ergebnisse sind auf ihrer Website Umfrage zur PR-Berufsethik zu finden. Und wer sich selber weiterbilden will, findet unten Links zu allen untersuchten Kodizes.

Links
Kodex von Lissabon
Vom SPRV für Mitglieder verbindlich erklärter Kodex

Athener Kodex
Vom SPRV für Mitglieder verbindlich erklärter Kodex

ICCO Stockholm Charter
Kodex der Mitgliederagenturen des BPRA

Standesregeln der SPAG

Erklärung/Richtlinien zur Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten des Schweizer Presserats

Noch keine Kommentare.

IHR KOMMENTAR