Hat Farner die GSoA im Auftrag der Rüstungsindustrie bespitzelt?

Dinu Gautier berichtet heute in der Woz, die Zürcher Kommunikationsagentur Farner habe den Workshop der Gruppe Schweiz ohne Armee (GSoA) für deren Volksiniative «Für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten» durch eine Mitarbeiterin bespitzeln lassen. Falls dem wirklich so ist, haben beide Seiten ihre Hausaufgaben vergessen. Erstens die GSoA, weil es unsinnig und viel zu heikel ist, strategische Workshops öffentlich auszuschreiben und unbekannte Nicht-Mitglieder daran teilnehmen zu lassen. Und zweitens auch Farner, weil es die Agentur offensichtlich nicht geschafft hat, ihre Mitarbeiterin genügend vorzubereiten, damit sie nicht aufgedeckt wird.

6 KOMMENTARE

  1. Netscout sagt:

    Stimme dir zu, dass ein Übermass an Misstrauen das Engagement killt. Aber welches Misstrauen ist gerechtfertigt? Meiner Meinung nach dürfen bei unterschiedlichen Aufgaben durchaus auch verschiedene Anforderungen gestellt werden, ohne dass man gleich paranoid ist und ohne dass die Motivation der Freiwilligen gekillt wird. Konkret – und da geht unsere Meinung offensichtlich auseinander – denke ich nicht, dass jede beliebige Person bei der Kampagnenplanung der GSoA mitmachen können muss.

  2. Ich weiss nicht, ob es politisch ausgerichtete Organisationen sind, bei denen Du aktiv warst. (Meine Aufforderung «Leiste mal etwas ideelle Fronarbeit» sollte übrigens keineswegs arrogant klingen, beim erneuten Durchlesen merke ich aber, dass es sehr wohl so gedeutet werden kann.) Es ist einfach nicht lebbar, neuen Leuten mit einem Übermass an Misstrauen zu begegnen, das würde geradezu sektiererisch wirken auf ernsthaft Interessierte, die neu mitmachen wollen. Auch wenn die Sache für Farner zum Medien-Gau wurde: Es wäre tragisch, wenn wegen dieses konkreten Spionage-Falles nun Paranoia Einzug hielte. Dann, erst dann, hätte Farner gewonnen.

  3. Netscout sagt:

    Danke für den Tipp. Ich habe mich schon bei zahlreichen Vereinen und anderen Gruppen freiwillig engagiert. Auch in Vorständen und als Präsi. Von daher glaube ich schon zu wissen, was Freiwilligenarbeit heisst. Dennoch wäre es mir nie in den Sinn gekommen, bei so wichtigen Fragen Leute einzuspannen, die überhaupt keinen Bezug zur eigenen Organisation haben und die niemand kennt. Da muss sich die GSoA wirklich selber an der Nase nehmen. Auch wenn ich die Bespitzelung überhaupt nicht unterstütze.

  4. Es gibt die ‚GSoA-Koordination, das Treffen der faktischen Vorstandsmitglieder. Diese Büro-Sitzungen finden tatsächlich quasi hinter verschlossenen Türen statt.

    Beim Strategietreffen ging es jedoch sowohl darum, die Kampagnenplanung weiter zu entwickeln wie auch ums Einbinden des erweiterten Kreises der AktivistInnen. Ohne diese Abstützung in der Breite kann eine NGO wie die GSoA, die mit minimalen Stellenprozenten auskommt, nicht funktionieren. Sie ist strukturell nicht mit WWF oder Greenpeace zu vergleichen, bei welchen bezahlte Mitarbeiter für die strategische Planung zuständig sind.

    Leiste mal etwas ideelle Fronarbeit bei einer mit der GSoA vergleichbaren Organisation und Du wirst sehen, dass es kaum anders geht. Oder spende der GSoA einen substantiellen Betrag, damit sie ihre Stellenprozente erhöhen kann 😉

  5. Netscout sagt:

    Mit Transparenz hat die Frage, wer an der Planung einer politischen Kampagne teilnehmen darf, nichts zu tun. Es gibt ganz bestimmt auch bei der GSoA Themen, wo keine externen Personen mitmischen können. Weil es eben interne Angelegenheiten sind. Und als eine solche hätte auch der erwähnte Workshop stattfinden sollen. Oder so, dass nur Leute kommen können, die zumindest einer Bezugsperson innerhalb der GSoA bekannt sind. Alles andere ist meiner Meinung nach blauäugig.

  6. Die GSoA lebt vom freiwilligen Engagement, das von einer breiten Basis getragen wird. Diese erneuert sich logischerweise beständig, da neue Themen neue Interessierte anlocken, aber auch, weil persönliches Engagement neben anderen Lebensinhalten Platz haben muss. Über neue Gesichter freut man sich also, eine beständige Paranoia würde lähmen.

    Die GSoA ist kein Geheimclub und informiert über ihre Tätigkeiten auf ihrer Website wie auch über ihre Mitgliederzeitung.

    Wenn die GSoA Transparenz und Offenheit für neu Interessierte aufgeben würde, gäbe es sie bald nicht mehr. Doch das bleibt für Farner und deren Auftraggeberin, die Rüstungsindustrie, nur ein süsser Traum.

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