Migros lanciert M-Kampagne mit illegaler Aktion

Am Dienstag hat der Grossverteiler Migros ihre neue Kampagne der Agentur Jung von Matt lanciert, indem sie die Buchstaben M von 57 Schweizer Ortstafeln überklebt hat. Die Reaktionen in den Schweizer Medien fallen mehrheitlich wohlwollend aus. Obwohl es sich dabei klar um eine illegale Aktion handelt.Guerilla ist das grosse Schlagwort für Kommunikationsmassnahmen, die in kein herkömmliches Schema passen und einen Duft des Untergrunds verbreiten. Nun hat sich auch die Migros für ihre neue Kampagne «ein M besser» in Dschungelkönige verwandelt und an 57 Ortstafeln die Buchstaben M mit ihrem orangen Logo überklebt. Viele Medien wie der Tagesanzeiger, 20 Minuten oder die Werbewoche berichten zwar darüber und weisen auf die Missachtung des Strassenverkehrsgesetzes hin, relativieren aber die illegale Aktion aufgrund des fehlenden Schadens. Die Kleber wurden nämlich am selben Tag noch spurenfrei entfernt.

Das Vorgehen der Migros gilt es zu verurteilen, weil es sich um eine verbotene Tat handelt und der öffentliche Raum vor solchen Aktionen geschützt werden muss. Dabei zählt aus meiner Sicht nicht so sehr die Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit, sondern vielmehr die Tatsache, dass der orange Riese den öffentlichen Grund ohne Bewilligung und ohne Entschädigung für eigene Werbezwecke missbraucht hat. Wird das toleriert, droht die Wiederholung durch Nachahmer. Und schliesslich ist das Unternehmen mit diesem Vorgehen auch ein schlechtes Vorbild für junge Leute, denen zunehmend vorgeworfen wird, den öffentlichen Raum in Anspruch zu nehmen und zu verunstalten.

4 KOMMENTARE

  1. Letzten Donnerstag hat Blick am Abend in Bern, Basel und Zürich auf Velosattelbezügen mit der Botschaft «Kommen Sie entspannt in den Feierabend» geworben. Die brombeerfarbenen «Sattelpariser» gelten für manche als gelungene Guerilla-Marketing-Aktion der A

  2. Christian sagt:

    In der Werbewelt gibts nicht viele solche Aktionen (was die Migros geboten hat, war bestimmt nicht legitim). In der richtigen Welt jede Menge. Ich erinnere an Rosa Parks, jene schwarze Frau, die sich in einem Bus in Montgomery AL geweigert hatte, ihren Sitzplatz für einen weissen Fahrgast zu räumen. Legitime, wenn auch illegale, Aktionen sind viele der Adbusting-Aktionen rund um den Globus. Das Problem der Legalität ist, dass die Gesetzgebung nicht an ethische – also universelle – Werte gebunden ist und deshalb keinen Wahrheitsanspruch stellen kann.

    In meinem Buch schreibe ich:
    „Eines der prominentesten Argumente, die die Werbeindustrie vorbringt ist, dass es legal sein sollte, für ein legales Produkt zu werben. In vielen Diskussionen mit Praktikern aus der Werbung kommen Debatten über die Legalität ihrer Erzeugnisse in einer Weise auf, die nicht nur die Frage nach der Legitimität ausschließt, sondern auch Akte des zivilen Ungehorsams (wie Adbusting) als illegal und als Verletzung der Eigentumsrechte verdammt. Während die Werbeindustrie sich hinter Fragen der Legalität verschanzt und das für gut befindet, was mit der oft arbiträren örtlichen Gesetzgebung in Einklang ist, hat jede Werbekampagne, die ein gewisses Risiko trägt, diese Gesetzgebung zu verletzen, im Werbebudget bereits die Bussen für eine solche Verletzung einkalkuliert. Wie hoch eine solche Busse ist, hängt vom juristischen System ab, in dem die Kampagne läuft. […] Was einer Privatperson den Hals brechen könnte, ist für ein Unternehmen bloß ein weiterer Budgetposten. Bussen erkaufen sich also „freie“ Meinungsäußerung.

    [Das Buch „Gastfreundschaft im Zeitalter der medialen Repräsentation: eine Ökonomie des Geistes“ erscheint im Oktober beim Passagen Verlag. Die englische Fassung ist bereits erhältlich: http://www.haenggi.com/hospitality]

    Es ist durchaus vorstellbar, dass es auch kommerziell agierende Organisationen gibt, die sich Guerilla-Aktionen bedienen müssen, um über dem Marketing-Geräuschpegel wahrgenommen zu werden. Dass ich dir kein konkretes Beispiel nennen kann, hängt wohl damit zusammen, dass der Geräuschpegel zu hoch ist.

  3. Netscout sagt:

    Was wäre denn aus deiner Sicht eine illegale, aber legitime Aktion.

  4. Christian sagt:

    Meine Rede. Ich bin allerdings nicht einverstanden, dass die Aktion zu verurteilen ist, weil sie illegal ist. Es gibt viele illegale Aktionen, die absolut legitim sind. Das alleine ist kein Kriterium.

    Kennt jemand eine Möglichkeit, gegen die Migros zu klagen, wenn es schon die Medien und Gemeinden unterlassen?

    Oder wäre es besser, alle Plakate der neuen Kampagne mit einem grossen W (z.B. für „Wäh!“ oder „Wie öde“) zu übermalen?

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