Wieso die Schweizer am meisten Schokolade essen und die Tschechen am meisten Bier trinken

Wenn in Zeitungen neue Statistiken über den Konsum pro Kopf von Lebensmitteln aller Art präsentiert werden, habe ich mich schon immer gewundert, ob es ein Zufall sein kann, dass ausgerechnet wir Schweizer am meisten Schokolade essen und die Tschechen am meisten Bier trinken. Hier die Antwort:Man mag die Tatsache, dass die Schweiz in Europa den höchsten Verzehr von Schokolade pro Einwohner aufweist, als Beweis für die hohe Qualität und den unwiderstehlichen Geschmack von Schweizer Schokolade nehmen. Weil die präzisen und gleichzeitig verwöhnten Eidgenossen kaum so zugreifen würden, wenn die Süssigkeit nicht so fein wäre. Leider aber ist der wahre Grund für den Spitzenplatz ein trivialer: die Methode.

Für die Berechnung des Pro-Kopf-Konsums wird die gesamte inländische Produktionsmenge verwendet. Davon werden die Exporte abgezogen. Zurück bleibt die in der Schweiz abgesetzte Menge. Wird diese durch die Bevölkerungszahl der Schweiz (gemäss Wikipedia derzeit 7’700’200) geteilt, resultiert der vermeintliche Konsum pro Kopf.

Genau gleich läuft es beim Bier, wie es die europäische Dachorganisation Brewers of Europe bestätigt. Einzig mit dem Resultat, dass Tschechien (160 Liter im 2006) vor Deutschland  (116) und Irland sowie Luxemburg (beide 108) die Rangliste anführt. Kommt hinzu, dass mit der Division durch die Bevölkerungszahl sogar jedes tschechische Kleinkind statistisch 1,6 Hektoliter Bier pro Jahr trinkt.

Doch das ist nicht der eigentliche Punkt. Viel stärker verfälschen nämlich andere Faktoren diese Statistik. Schon mal beobachtet, wie ausländische Gäste in der Schweiz bei Coop und Migros ihre Taschen mit Schokolade vollstopfen, damit auch ihre Liebsten zu Hause was Süsses aus der Schweiz kriegen? Und auch schon beobachtet, wie eure Liebsten in einem der führenden Bierländer plötzlich ein Blondes trinken, obwohl sie zu Hause niemals eine Bierflasche anfassen würden?

Zwar lässt sich der Konsum von ausländischen Gästen im eigenen Land nur schwer erheben, ich gehe aber davon aus, dass der Pro-Kopf-Konsum von Spezialitäten im entsprechenden Land sich massiv auf die Statistik auswirkt. Und das sehen übrigens auch die Brewers of Europe so. Also können sich die Produzentenorganisationen die Pro-Kopf-Zahlen künftig sparen. Sie haben kaum eine Aussagekraft.

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