Bitte kein Digestif mehr

Wieso es die witzlose Wochenschau Digestiv.tv kein viertes Mal mehr braucht.Keine Frage, die Schweiz leidet an einem fürchterlichen Humordefizit. Unsere Sessel sind zu steif. Nur allzu selten lehnen wir uns so richtig weit zurück und lachen lauthals über bitteren Ernst. Gross war deshalb meine Freude auf die Ankündigung von Digestiv.tv, einer neuen Schweizer Wochenschau im Internet. Ähnlich wie Ehrensenf.de. Nur besser. Und noch bissiger als extrascharf.

Umso grösser jedoch die Enttäuschung bereits nach der ersten Sendung. Sandji Lilas Versuch, der Schweiz etwas mehr Humor in die Stube zu bringen, scheitert kläglich. Ein Beispiel? «Was hat Windows mit einem U-Boot zu tun? Sobald du ein Fenster öffnest, kriegst du Probleme.» Bitte lachen. Später packt sie Adolf Ogis längst vergrabenen Spruch aus: «Freude herrscht!» Ich gähne.

Doch noch nicht genug der Scherze: «Jedes Jahr am 14. Februar gehen ganze Monatslöhne für Blumen drauf. Und trotzdem wird fast jede zweite Ehe in der Schweiz geschieden. Warum eigentlich? Ist es wegen Geldsorgen? Oder wegen übertriebener Erwartungen? Oder weil er endlich den Schweizer Pass hat?» Bitte wieder lachen. Sandji Lila macht sich lustig über die inzwischen ausgeschiedene Musicstar-Kandidatin Börni und wünscht sich die Hexenverbrennung zurück. Ob sie sich da etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt und selber Feuer gefangen hat?

Für die dritte Sendung vom letzten Freitag muss nämlich Pascal Holzer einspringen. Er kontert die Vorwürfe auf die ersten beiden Sendungen und verweist auf einen Deutschen, der sich kürzlich eine langstielige Rose mit Dornen in den Penis gesteckt hat. Bitte nochmals lachen. Als er schliesslich seinen Abgang ankündigt, folgt der Wahnsinnsbrüller: «So, ich muss, bin noch an eine Fasnachtsparty eingeladen.» Er zieht sich eine rote Badekappe über den Kopf und erklärt: «Ich gehe als Britney Spears.» Bitte, bitte, lachen. Ein letztes Mal.

Ich frage mich ernsthaft, ob es Jäggi, Stöhlker, Weibel, der Weltwoche und Huggenbergers, die alle hinter dem Projekt stecken, die Mundwinkel auch nur ein einziges Mal ansatzweise nach hinten gezogen hat. Mir jedenfalls nicht. Da es auch bei der dritten Sendung nicht gelungen ist, nur eine leichte Steigerung anzudeuten, habe ich nur einen Wunsch übrig. Und den übrigens nicht nur, weil ich in der Fastenzeit wieder mal ganz auf Alkohol verzichte: bitte kein Digestif mehr.

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