Doppelte Verglasung, halber Nutzen

Über den Unsinn der neuen Betriebslagemonitore der Schweizerischen Bundesbahnen oder wenn weniger Kommunikation ehrlicher wäre.Seit kurzem stehen an allen grösseren Schweizer Bahnhöfen neue Betriebslagemonitore. Läuft im Schienennetz alles wie geschmiert, verkünden sie oberhalb der blanken Landeskarte stolz: "Die Züge verkehren planmässig". Doch wie bei manchen Markenartikeln steckt auch hier nicht immer das drin, was auf der Verpackung steht. Kürzlich traf der IC 896 aus Bern mit 15 Minuten Verspätung in Olten ein. Der Anschlusszug IR 2199 konnte nicht warten, worauf man Richtung Luzern die S8 21801 benutzen musste und die Fahrt von Bern nach Luzern zwei Stunden statt 75 Minuten dauerte. Das Warten in Olten verkürzte der Monitor mit einem freundlichen Lächeln: "Die Züge verkehren planmässig." Und letzte Woche hatte der Zug IC 2508 aus Luzern nach Bern 20 Minuten Verspätung, worauf die Anschlüsszüge in die Berner Agglomeration ebenfalls keine Rücksicht nehmen konnten. Auch jetzt verzog der Bildschirm keine Miene: "Die Züge verkehren planmässig."

Die Anstrengungen der SBB für die verbesserte Information von Bahnreisenden sind zwar begrüssenswert. Besonders in Olten, wo die Ansagen über Lautsprecher oft viel zu spät, gar nicht oder auf irreführende Weise erfolgen. Doch in den geschilderten Fällen ist die Information schlicht unwahr gewesen. Weniger Kommunikation wäre zwar nicht unbedingt mehr, aber definitiv ehrlicher. Roland Binz von den SBB widerspricht: «Da bin ich anderer Meinung. Es ist wichtig, dass wir die Kunden auf allen möglichen Kanälen informieren. Die Betriebslagemonitore dienen dazu, den Kunden einen Überblick über die Lage auf dem Schweizer Schienennetz zu geben. Als Übersicht über schweizweit grössere Störungen ergänzen die Betriebslagemonitore die Anzeigen an den Perrons, im Teletext auf Seite 486, Anzeigetafeln und die telefonische Bahnverkehrsinformation.»

Selbst wer von unterwegs Zugriff auf alle diese Informationen hätte: Spätestens beim Umsteigen sorgt der Betriebsanlagemonitor für Verwirrung. Er ist widersprüchlich zu den anderen Kanälen. Da frage ich mich, was die Bildschirme nützen, wenn Kundinnen und Kunden trotz des ?plamässigen Zugverkehrs? mit deutlichen Verspätungen rechnen müssen. Und auch wer einen verspäteten oder gar keinen Zug mehr nach Hause hat, kriegt von den neuen Bildschirmen keinen Trost. Denn obwohl sie pausenlos vor sich hin leuchten, selbst nachts, wenn längst keine Züge mehr fahren, kann man sich nicht mal die Hände und Ohren an den Monitoren wärmen. Sie sind nämlich doppelt verglast.

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